Interview in der WAZ Herne, erschienen am 20.05.16

Hier Teile des Interviews, in der Reihenfolge der Fragen vertauscht, teilweise leicht verfälscht. Die Kernaussage ist aber getroffen.

 

WAZ | 20.05.2016 | Seite 11

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Fans lassen vor dem Finale die Muskeln spielen

Der „Deutsche Classico“ zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag elektrisiert auch viele Herner. Die WAZ lud im Vorfeld zum Fan-Austausch der besonderen Art in die Redaktion

Tim Schulze

 

Bayern gegen BVB – das ist Mia san Mia gegen Echte Liebe, Weißwurst gegen Currywurst, Rummenigge gegen Watzke und auch Dietmar Beinlich gegen Thomas Militzer. Beinlich ist Pressewart der Bazi Boys, dem Herner FC-Bayern-Fanclub, der in diesem Jahr sein 20-Jähriges feiert. Thomas Militzer aus Herne gehört zwar keinem BVB-Fanclub an, in seinen Adern fließt dennoch schwarzgelbes Blut. Seit 40 Jahren hält er zur Borussia.

Am morgigen Samstag stehen sich die beiden Bundesligavereine im Finale des DFB-Pokals in Berlin gegenüber. Die WAZ-Redaktion hat Dietmar Beinlich und Thomas Militzer im Vorfeld der Begegnung zusammengebracht für einen Fan-Austausch der besonderen Art.

Wo gucken Sie das Pokalfinale? Beinlich: Ich fahre mit den Mitgliedern unseres Fanclubs nach Berlin und habe das Glück, im Stadion mit dabei zu sein. Diejenigen, die nicht mitfahren können, treffen sich privat. Militzer: Ich bin total verzweifelt, denn ich bin zu der Zeit in einer Reha-Maßnahme in einem bayerischen Kurort: Bad Kissingen. Dort muss ich das gucken. Beinlich: Ach, ist doch schön. Militzer: Ja, aber natürlich die falsche Gegend (lacht). Was erwarten Sie vom Spiel? Militzer: Es wird ein hochintensives Spiel auf Augenhöhe. Hoffentlich bleibt es fair. Außerdem hoffe ich, dass es keine Elfmeter und keine Fehlentscheidungen gibt. Beinlich: Es wird ein offener Schlagabtausch, ein gutes Spiel hoffentlich mit dem besseren Ende für uns. Wenn Sie auf dem Platz stehen würden, welchem gegnerischem Spieler würden Sie gern mal zwischen die Beine grätschen? Beinlich: Überhaupt keinem. Man muss fair bleiben. Ich würde gerne mal Ribery im Dribbling alt aussehen lassen, aber das schaffe ich nicht. Militzer: Ich habe da schon einen Spieler, der mich dazu bringt, dass ich da mal gern reingrätschen würde: Arturo Vidal. Der übertreibt es mit der Härte. Beinlich: Den hat man als Kampfschwein geholt. Ohne solche Spieler kann man international nicht bestehen. Eine gewisse Härte muss man reinbringen, auch wenn ich nicht dafür bin, dass getreten wird. Militzer: Nee, Da bleibe ich lieber ein Leben lang zweiter und verzichte auf Spieler wie Vidal. Häufig ist vom „Bayern-Bonus“ die Rede. Werden die Bayern von den Schiedsrichtern bevorzugt? Beinlich: Nein, das sehe ich gar nicht so. Der erste Spieler, der eine gelbe Karte bekommt, ist ein Münchner. Militzer: Ich bin gerade total geflasht, weil ich genau das Selbe sagen wollte. Die erste Karte bekommt immer ein Dortmunder. Aber unsere Brillen sind eben gefärbt. Vor ein paar Wochen gab es einen Artikel, in dem es darum ging, dass der Bayern-Bonus mit wissenschaftlichen Methoden zu beweisen ist. Dadurch sehe ich mein Gefühl bestätigt: Die Bayern kommen bei strittigen Entscheidungen besser weg. Was sagen Sie zum Wechsel von Mats Hummels? Militzer: Was ich nicht verstehen kann, ist, dass er sich jahrelang auf die Brust klopft und sagt: ,Mein Herz ist hier, ich gehe nicht weg’. Dann kommt ein gutes Angebot, und er ist weg. Beinlich: Für uns ist es natürlich ein super Transfer. Wer wäre nicht froh, Hummels zu haben? Aber auch für die Nationalmannschaft ist es ein Vorteil, wenn Hummels und Boateng im Verein zusammen spielen. WAZ: Medien spekulieren ja, dass Mario Götze zum BVB zurückkommen könnte? Was halten Sie davon? Militzer: Ich will ihn nicht zurückhaben. Einen Vertrag ohne Not vorzeitig zu verlängern zugunsten einer Ausstiegsklausel; kurz darauf noch eine Ausstiegsklausel einzusetzen, betrachte ich als unehrenhaft, ja Verrat. Aus meiner Sicht kaufen die Bayern Spieler der Ligakonkurrenten, um sie zu schwächen. Das war auch bei Götze so, weil er die Bayern im BVB-Trikot ordentlich geärgert hatte. Beinlich: Ach, das ist doch totaler Schwachsinn. Wer zahlt denn über 30 Millionen, um einen Spieler auf die Bank zu setzen? Mario Götze ist sicherlich ein guter Spieler, aber nur einer von vielen bei den Bayern. Und er muss sich da behaupten. Bislang ist ihm das nicht gelungen. Kann der BVB den Bayern auf lange Sicht auf Augenhöhe begegnen? Beinlich: Naja, ich hoffe einfach mal nicht (lacht). Militzer: Ich weiß, dass der BVB das kann. Hat er ja auch schon bewiesen. Auch in diesem Jahr hatten wir es ein paar Mal auf dem Schlappen. Im nächsten Jahr geht die Meisterschaft knapper aus. Beinlich: Mir reicht, wenn wir am Ende ein Tor mehr haben (lacht). Wenn Ihr Team verliert, würden Sie dem Gegner den Titel gönnen? Beinlich: Auf jeden Fall. Klar würde ich mich ärgern, aber wenn der Gegner besser ist, dann soll er gewinnen. Militzer: Ich kann es den Bayern auch gönnen, wenn alles sauber läuft. Zum Abschluss, was tippen Sie? Militzer: 2:1 für den BVB nach Verlängerung. Beinlich: 2:1 für Bayern nach 90 Minuten.

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