Mit dem aktivrollstuhl auf die halde hoheward

Ich hatte mir am Anfang meiner Rollikarriere ( März 2014 ) als Saisonziel gesetzt, einmal mit dem Rollstuhl über die Erzbahntrasse nach Bochum zu rollen. Wie man hier links sehen kann, habe ich das Saisonziel schon sehr früh erreicht. Dann kam einmal um den Kemnader See, auch abgehakt. Einmal um die Halde Hoheward auf Strassenniveau, erledigt. Das Umfahren der Hoheward auf dem Niveau der Balkonpromenade war da schon ein anderes Kaliber.

Während beider Umrundungen habe ich immer nach oben geschielt um den besten Weg, sprich die geringste Steigung zu finden. Im Endeffekt habe ich mich für den direkten, asphaltierten Hauptweg für Kraftfahrzeuge entschieden. Dieser ist zwar sehr steil, aber auch breit. Das ermöglicht in Serpentinen zu fahren. Ansonsten ist die Steigung so heftig, dass die Vorderräder beim Schieben abheben und die Gefahr eines Überschlages besteht. Aufgrund der Höhe hatte ich zunächst an die Errichtung von 2 Basislagern und den Einsatz von Sherpas gedacht. Aus Kostengründen habe ich diesen Plan verworfen und meinen Rucksack mit MIneralwasser und Butterkeksen bestückt.

So war der theoretische Ansatz.

Am 16.09.2014 war es dann soweit. Zunächst hat der VRR mich freundlicherweise bis zum Bergwerk Ewald gefahren. Hier hatte ich nochmal Gelegenheit vor dem Anblick des zu erwartenden Martyriums Panik zu kriegen. Dann aber frisch losgerollt. Über die nächsten 2 Stunden breite ich das Mäntelchen des Schweigens. Schließlich bin ich gut erzogen und kann deshalb meine Gedanken nicht wiedergeben. Teilweise spricht auch der Jugendschutz dagegen. Nur soviel, es war eine Läuterung.

Trotz meines kleinen Tricks mit den Serpentinen mußte ich teilweise auf die vordere Kante der Sitzfläche rutschen, sonst wäre die Steigung nicht zu bewältigen gewesen. Ab dem letzten Drittel bin ich immer wieder von den dort oben tätigen Muldenkipperfahrern ermutigt worden.

Ich habe mir tatsächlich jeden Zentimeter erkämpft. Der Rollweg von einem Druckzyklus über nicht mal ein Viertel des Radumfangs ( 24 Zoll ) ist umgerechnet etwa 35 cm. Bedeutet auf gut 2 km Anstieg etwa 6000 mal das Gesamtgewicht von 125 kg ( der Rollstuhl ist sehr schwer ) nach vorne/oben zu drücken. Auf einem Drittel der Strecke im Serpentinengang, also die 3 fache Entfernung auf diesen Teilstücken. Genug der Zahlenspiele, ich war schließlich oben. Die Entschädigung war der freie Blick über mein Ruhrgebiet. Einfach toll. Was fehlt sind Markierungen was in den jeweiligen Richtungen zu espähen ist. Für Ortsunkundige schlecht.

Leider ist das Horizontalobservatorium von einem Bauzan umgeben und abgestützt. Das wohl schon seit Jahren.

Die Abfahrt war zwar schneller als der Anstieg aber enorm anstrengend. Auch abwärts kann man nicht den direkten Weg fahren. Das Tempo wäre nicht zu beherrschen. Also habe ich mich an die Bögelchen aus der Skischule erinnert und bin downhill. Trotzdem war alle 200 m pausieren angesagt um die Handschuhe abzukühlen. Das Paar Handschuhe hat jetzt einen Ehrenplatz, benutzen kann ich die nicht mehr.

 

Fazit: NICHT barrierefrei, nur für sehr gut trainierte Aktiv Rollstuhlfahrer, die auch Erfahrungen mit längeren Bergab Strecken haben. An der Hoheward kann man wunderbar alle Steigungen ausprobieren. Wer Gesellschaft braucht, vielleicht komme ich noch mal mit.

 

Tatsächlich sind es nur 100 Höhenmeter von der Sohle bis ganz oben.

 

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